Prolog
Herbst 2006
Vier Tage lang bereisten acht namhafte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur Vorarlbergs Talschaften und erhielten einen vielgestaltigen Einblick in Architektur, Raum und Gesellschaft. Unterschiedlichste Milieus wurden ergangen, industrielle und bäuerliche Strukturen erfahren, Einfamilienhäuser des Bürgertums und Ortskerne mit hohem Migrantenanteil erlebt, Bauten für den Tourismus besucht, Orte mit historischem Rückgrat und Orte der Kaufkraft empfunden, das Gespräch mit Handwerkern, Bewohnern, Planern und Leistungsträgern der new economy gesucht.
Mit ihrem unterschiedlichen spezifischen Hintergrund, ihrem Wissen und Erfahrung konnte jede/r einzelne der Gruppe Sichtweisen einbringen, die wesentlich für die nachfolgenden Formulierungen der Themenstellungen für die Symposien 2008, 2009 und 2010 sind:
° Zeiträume: Wie gehen wir mit Traditionen um? Wie können diese erhaltenswerten Qualitäten, Kultur, Natur und Traditionssinn als Ressource nachhaltig gestaltet und in Zukunftsbilder überführt werden? Was können wir zuführen um einer Verflachung entgegen zu wirken?
Was darf Vergangenes sein, wo liegt Zukunftsträchtiges?
° Sozialer Raum: Wie sehr basiert unsere „Baukultur” auf der Kraft einer privilegierten Teilgesellschaft? Wie kann auch dem Schwachen und Fremden Raum gegeben werden? Hat das klassische Einfamilienhaus Modell noch seine Berechtigung? Wann reagieren unsere Siedlungsstrukturen auf die derzeitigen sozialen Strukturen?
Wo bleiben die Lernräume, die gestaltbaren, undefinierten Räume?
° Widerstandskulturen beleben: Wo gibt es im „Erfolgsmodell Vorarlberg” Abbrüche und bleiben gewisse Gruppen benachteiligt?
Was muss sich ändern, weggeräumt werden um Kreativität und Zukunftsfähigkeit entstehen zu lassen?
° Zukunftsbilder kommunizieren: Was kann, ohne zu einer neuen rigiden Norm zu werden, als Vorbild wirken? Wie sehr zählt das Individuum und wie sieht heute Gemeinschaft aus? Wie können Räume Gemeinschaftsbildung beeinflussen?
° Perfekt versus Provisorisch: Führt Perfektion zur Erstarrung?
Wo bleiben Räume der „Wildnis” zwischen diesen scheinbar perfekten Orten? Was bedeutet Flexibilität wirklich? Evolution und Prozesshaftigkeit passiert in Randzonen. Wer wird an diesen Prozessen beteiligt? Wie kann eine Kultur des Zuhörens ohne Bevormundung und ohne Überforderung entstehen?