Studio 2
28.07. - 08.08.
Peter Holzwarth, Wolfgang Meisinger, Ruby Sircar
Der gesprächige Garten
Vorarlberg ist ein Ort an dem Architektur geträumt werden muss, sie ist nicht erbaubar. Wir nahmen Umfragen vor und hielten Interviews ab - was waren die Antworten die wir erhielten? Was waren die Fragen? Wir erkundigten uns nach den Wünschen, Nöten und Träumen in Bezug auf gebauten Raum - öffentlich und privat. Es gab fast keine. Ergebnis: Die Träume müssen irgendwie erfüllt worden sein. Es muss andere Lösungen geben die wir nicht kennen. Man muss die Platte am Drehen halten und den Wind der Veränderung reiten, um die versteckten Schätze architektonischer Vielfalt zu entdecken. Aber…
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Kollektiv Interviews und Kurzumfragen
Was waren unserere Ausgangsfragen? Wir fragten konkret nach Bedürfnissen und Vorstellungen zur Gestaltung von öffentlichem und privatem Raum,unterteilt in drei Kategorien: Persönliche Wohngeschichte, SozialesUmfeld/Kontakte/Treffpunkte/Wege und Wunschvorstellungen. Die geführten Interviews waren sehr unterschiedlich und halfen uns selbst aus unserem Kastendenken hinsichtlich festgefahrener Klischees hinsichtlich der ökonomischen, edukativen, kulturellen und lokalen Vorbedingungen der einzelnen InterviewpartnerInnen, auszubrechen. Wohin haben uns die Interviews geführt, wie kann mit dem Material weitergearbeitet werden? Wie findet das Audiomaterial, ausserhalb der Präsentation in diesem Sommer in Bregenz, Anwendung? Was kann der/die BesucherIn oder AndenderIn damit machen, für sich?
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Ausstellung
An den Wänden verzweigen sich tage- oder logbuchartig Notizen, Skizzen und andere visuelle Derivate: von der Methodik-, Architektur- und Stadtplanungstheorie, über Diskussionen innerhalb und außerhalb der Gruppe bis hin zu den kleinen Mosaiksteinchen der täglichen Arbeitspraxis. Mittendrinnen auch Spuren zu den Orten der Interviews und Dokumente der vorgefundenen Wohn- und Lebenssituationen.
Für den Raumton filterten wir aus der Kollektivumfrage ein Gemurmel an konkreten und utopischen Wünschen, Anregungen und spontanen Emotionen aus und zu Bregenz. In diesen Soundteppich verweben sich die Gespräche der AusstellungsbesucherInnen zu Erzähltem und Gegenwärtigem.
Die ausführlichen Interviews können - geringfügig bereinigt und in thematische Blöcke geschnitten - abgehört werden. Für die Etikettierung der Audiofiles entschieden wir uns bewusst gegen eine Offenlegung der Verortung der jeweiligen Wohnorte und für eine Anonymisierung. Damit sollte eine vorangestellte Schubladisierung vermieden werden.
Interviews
Die Interviewbits sollen eine Wunschlandschaft, ein Bregenz/Vorarlberg der Einzelnen darstellen. Individualisierung und keine Lösungen für „den Bregenzer”. Und als zweiter Anspruch: Verlassen der Stellvertreterstudien- und Expertenabsolutismuspfade, Einlassen auf extreme Aufmerksamkeit, radikale Auseinandersetzung und radikaler Austausch.
Die von Peter Holzwarth in Blog Methodik vorgestellten Interviewansätze, -Methoden und -Vorgehensweisen wurden von uns folgenderweise angewendet:
1. Kollektivumfrage: Wir durchtreiften Bregenz, geführt von den Menschenmassen und Befragungswilligen. Dies führte uns vom Palais in Richtung Oberstadt und dann entlang des Interviewstroms in die Unterstadt, vorbei am Hauptplatz zum See und den dort angesiedleten Konsum- und Vergnügungsstätten. Wir hatten als Einstieg der Umfrage zwei scheinbar einfache Fragen vorangestellt: „Was gefällt Ihnen (nicht) an Bregenz?” Und: „Was bedeutet für Sie ‚zu-Hause’?” Diese beiden Fragestellungen führten zur ganzen Spannweite von spontanen Emotionen und üblichen Klischees, bis hin zu sehr konkreten Vorstellungen und kleine Impromptuvorinterviews.
2. Interviews in Gesprächsituation: Die von uns geführten Interviews rollten vier Schwerpunkte (s. Fragenkatalog) auf: Wohngeschichte; Nachbarschaftsgeflächte und Alltagsbewegungen; Architektur- und Stadtplanungsdiskussiondiskussionen; Wünsche, Träume und Utopien. Die InterviewpartnerInnen spürten wir im mehr oder weniger zufälligen Umherstreifen durch die Stadt auf, wobei wir eine sehr heterogene Bandbreite an sozialen Schichten und Lebensentwürfen fanden, doch kein repräsentatives Ergebnis erreichen wollten und konnten. und die Gespräche fanden in ihrem eigenen Wohnumfeld statt: Im Garten, im Hof oder im Haus selbst.
Die Feministin
In der Nähe vom See, da möchte ich nicht wohnen. Ich fühl mich nicht so richtig wohl da unten. Da ist so ein Massenrummel. Da hat man keine Ruhe
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Zur Methodik
Peter Holzwarth

Wie wird öffentlicher und privater Raum von Menschen angeeignet? Wie bringen Menschen Identifikation zum Ausdruck, wie wird ein Revier markiert? Welche Enteignungs- und Wiederaneignungsprozesse lassen sich feststellen? Wie reagieren Subjekte auf zunehmende Ökonomisierung und Reglementierung des Öffentlichen Raumes? Wer kontrolliert den Öffentlichen Raum? Wer entscheidet über legitime und illegitime Nutzungsformen und Ästhetiken des Öffentlichen?
Videoumfragen, Audioumfragen, Interviews und Photo-elicitation-interviews eignen sich als Zugang zu solchen Fragestellungen. Im folgenden werden einige Methoden ausführlicher vorgestellt: Download Text (PDF)
Stadtwahrnehmung
Am Beispiel Bregenz - experimentelle Stadterkundung als Rekonstruktion der Vorgeschichte des dérive
Annette Wehrmann
Stadterforschung und Stadtspaziergänge - diese in der künstlerischen Praxis der letzten 15 Jahre wichtigen Verfahren lassen sich historisch aus den Praktiken der Situationistischen Internationale herleiten. Die in den 60er Jahren vorrangig in Frankreich aktiven Situationisten strebten eine Überwindung des Kunstbegriffs und eine revolutionäre Umwälzung der Gesellschaft an. Dérive - ungerichtetes Umherschweifen in der Stadt als Erkundung von Psychogeographien, im Gegensatz zu normativer Kartographie stehender individueller Kartierungen, wurde von der S.I. als ein Mittel revolutionärer Praxis entwickelt, lässt sich aber historisch auch auf surrealistische Praktiken der Stadterforschung zurückführen. Das Seestädtchen Bregenz wurde beispielhaft mit Louis Aragon´s „Pariser Landleben”, einem surrealistischen Schlüsseltext und psychogeographischer Erforschung eines Pariser Landschaftsgartens als einer zweiten, divergenten Kartographie überlagert. Die willkürlichen, aber häufig überraschend stimmigen Überlagerungen werfen Fragen nach der Spezifität der Städte auf, verweisen aber auch auf die historischen Wurzeln aktueller Kunstpraxis als Versuch einer kritischen Bestandsaufnahme.
Textauszüge: Pariser Landleben (Download PDF)
